Blick nach Norden: Was Schweden uns voraus hat
Wenn ich wissen will, was in der nächsten Saison auch bei uns funktioniert, schaue ich nach Schweden. Das tue ich, seit ich jung war, und es hat mir in meinem Berufsleben oft einen Vorsprung gegeben.
12.10.2026 · 7 Min · Von Alexander Hanke-Mellby

Warum ich nach Schweden schaue.
Wie Schweden in mein Leben kam
Meine Frau Sara ist Schwedin, sie stammt aus Helsingborg. Aber meine Verbindung zu Schweden ist älter als unsere Ehe. Mit 18 habe ich in der Region meinen ersten Volvo gekauft, und mit Anfang zwanzig habe ich zwei Jahre in Schweden gelebt. Dort habe ich Schwedisch gelernt, richtig, im Alltag, und ich habe bis heute das Gefühl, dass mich die schwedische Mentalität geprägt hat: offen, freundlich, pragmatisch und immer neugierig auf das, was als Nächstes kommt.
Ich habe damals eine Ausbildung zum Mediengestalter gemacht. Das war in der Zeit noch eine Mischung aus Internetprogrammierung, Grafik und Webdesign. Den Berufsschulkurs habe ich mit Bravour abgeschlossen, und ich habe ihn gleichzeitig genutzt, um nur noch Schwedisch zu sprechen. Als Kursbester bin ich bei der Agentur Pyramid in Helsingborg eingestellt worden, damals die größte Agentur der Stadt. Wir haben dort unter anderem das Logo für Bluetooth entwickelt, und ich habe Kunden wie die Fluggesellschaft SAS und Frigoscandia betreut. Meine ersten Schritte im Agenturgeschäft habe ich also auf Schwedisch gemacht. Pyramid gibt es heute als Teil von Comprend.
2014 sind wir mit der Familie für knapp ein Jahr nach Helsingborg gezogen, in die Heimatstadt meiner Frau. Ich hatte zu Schweden immer ein enges Verhältnis. Neben meiner Leidenschaft für Vespas ist es auch die für Volvo, und es ist die Art, wie man dort an Dinge herangeht.
Schweden ist ein Testmarkt für das, was kommt
Schweden fällt dadurch auf, dass das Land Trends schnell annimmt und sie dann in der Breite lebt. Nicht nur die Early Adopter, sondern fast alle. Das hat eine Wirkung, die man als Unternehmer nutzen kann: Wie ein neues Produkt, eine neue Idee oder eine neue Technik in Schweden ankommt, sagt viel darüber, was in der nächsten Saison in Mitteleuropa oder in anderen Märkten funktionieren kann.
Man sieht es in der Mode, in der Möbelgestaltung, in der Werbung und in der Spieleindustrie. Aus dem schwedischen Alltag kommen Marken, die weltweit stehen: Ikea und H&M, Spotify, Spielefirmen wie Mojang mit Minecraft, King mit Candy Crush oder DICE mit Battlefield, Zahlungsdienste wie Klarna und Swish. Dahinter steht ein Publikum, das neue Dinge ausprobiert, schnell ein Urteil fällt und es breit mitträgt.
Was die Schweden nicht annehmen, funktioniert oft auch in anderen Märkten weniger.
Das ist eine Erfahrung, kein Naturgesetz. Aber sie hat sich über viele Jahre bewährt, und sie hat mir oft geholfen, im Trend vorne dran zu sein.
Früh dabei: Bargeld, Karte, Handy
In Schweden gibt es kaum noch Bargeld. Man hat dort sehr früh mit Karte bezahlt, und inzwischen läuft vieles über das Handy. Auch Mobiltelefone waren schon bei Jugendlichen und Kindern früh selbstverständlich, und Tablets wie das iPad gehörten im Kindergarten zum Alltag, lange bevor wir bei uns darüber diskutiert haben. Neue Technik wird gern angenommen, und zwar von allen Altersgruppen.
Dazu gehört auch, dass man nicht alles durchhält. Heute erleben die Schweden selbst, dass manches zu schnell ging, und rudern ein Stück zurück. In den Schulen etwa setzt man inzwischen wieder stärker auf gedruckte Bücher und Handschrift. Das ist die zweite Hälfte der Lektion: Vorreiter zu sein heißt auch, früh zu merken, was nicht trägt, und es zu korrigieren.
Und heute: Cloud und KI
Aktuell sind die Schweden extrem stark im Cloud-Computing und im Einsatz von KI. Sie sind offen, probieren aus und nutzen die neuen Möglichkeiten im Alltag und im Betrieb. Wer sich anschauen möchte, wie ein Mittelstand, der gerne digital arbeitet, in einigen Jahren aussehen kann, findet dort Anschauungsmaterial.
Für uns ist das ein großes Vorbild. Nicht, weil wir die Schweden kopieren wollen, sondern weil sie zeigen, dass Offenheit für Technik und Alltagstauglichkeit zusammengehören.
Design, das man benutzt
Schweden ist auch deshalb ein Vorreiter, weil Gestaltung dort selten Selbstzweck ist. Das Land hat eine lange Tradition, Dinge so zu entwerfen, dass sie vielen Menschen nützen: einfach, funktional, freundlich. Das Wort dafür ist lagom, gerade genug, nicht zu viel und nicht zu wenig. Ein bekanntes Beispiel: Volvo hat 1959 den Dreipunktgurt eingeführt und das Patent freigegeben, damit er möglichst viele Leben schützt. Das ist eine Haltung, die ich bewundere: eine gute Idee gehört in die Breite.
Was das für uns Feuerpfeile heißt
Der Blick nach Norden färbt auf unsere Arbeit ab. Er steckt in dem, wie wir bei Feuerpfeil an Projekte herangehen:
- Früh ausprobieren. Wir setzen neue Technik ein, sobald sie tragfähig ist: KI im Betrieb, Sprachbots, die Feuerpfeil Business Plattform. Und wir sagen auch, was nicht taugt.
- Für die Breite bauen. Eine Lösung muss für Kunden, Mitarbeiter und Bewerber im Alltag funktionieren, nicht nur für Technikbegeisterte.
- Einfach statt kompliziert. Gerade genug Technik für das Ziel, ohne Schnörkel. Das ist unsere Übersetzung von lagom.
- Offen sein für andere Sprachen und Märkte. Ein Beispiel ist die Karriereseite, die wir für die Maisel Spedition in der Muttersprache der Fahrer gebaut haben.
Und wenn Sie sich fragen, warum dieser Blog „Nordlichter“ heißt: Das Polarlicht gehört zu den Dingen, die man im Norden am eindrücklichsten erlebt. Wir wollen mit diesem Blog zeigen, was wir dort und anderswo sehen und wie wir es für Sie nutzbar machen.
Was Sie daraus mitnehmen können
Schauen Sie dorthin, wo eine Technik schon im Alltag angekommen ist, bevor Sie viel in sie investieren. Testen Sie früh im Kleinen. Beobachten Sie, was Ihre Kunden annehmen und was liegen bleibt. Das spart Fehlinvestitionen und gibt Ihnen einen Vorsprung, der sich nicht mehr aufholen lässt, wenn man ihn zu spät sucht.
Sprechen wir darüber. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir, welche Trends für Ihren Betrieb wirklich Substanz haben. Erstgespräch buchen · Mehr zur KI-Beratung · Die Feuerpfeil Business Plattform
Tack för att ni läste. Danke fürs Lesen.


